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Kulturnachrichten

Donnerstag, 21. Juni 2018

Ruhrtriennale wehrt sich gegen Anfeindungen

Intendantin will Freiheit der Kunst verteidigen

"Ich möchte nicht Teil einer Kampagne und schon gar nicht Geisel einer Kampagne sein." Mit diesem Satz wehrt sich Stefanie Carp gegen Kritik. Die Ruhrtriennale, so die Intendantin, "möchte sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung in jeder Form richten und komplexe Narrative erzählen und dabei andere Perspektiven als unsere westlichen zu eröffnen." Zur Zeit aber werde dieses Programm "von zwei Kampagnen unter Druck gesetzt: Die eine sagt: Künstlerinnen und Künstler, die Organisationen unterstützen, die sich gegen die derzeitige Politik der Regierung des israelischen Staates wenden und für die Rechte der Palästinenser eintreten, sind automatisch antisemitisch. Die zweite Kampagne ist die BDS-Kampagne, die sagt: Künstlerinnen und Künstler, die nicht die derzeitige Regierung des Staates Israel boykottieren, stehen automatisch im Verdacht, rassistisch bzw. Gegner der Palästinenser zu sein", heißt es in einer Pressemitteilung. "Keine Künstlerin und kein Künstler der diesjährigen Ruhrtriennale ist antisemitisch oder rassistisch. Persönlich lehne ich Boykott im Zusammenhang mit Israel, aber auch in anderen Zusammenhängen und speziell im Bereich der Kunst ab."

Anish Kapoor verklagt US-Waffenlobby

Der britische Künstler wehrt sich gegen Werbespots der NRA

"Schockiert und entsetzt" sei er gewesen: Als Anish Kapoor entdeckte, dass die us-amerikanische "National Rifle Association" mit seiner Skulptur "Cloud Gate" wirbt, um Proteste gegen das Waffenrecht zu diffamieren. Weil die NRA seine Arbeit trotz mehrfacher Aufforderungen nicht aus Werbevideos entfernte, habe er geklagt. "Cloud Gate" hat die Form einer Bohne und wird im Volksmund deshalb auch "The Bean" genannt. Die verspiegelte Arbeit wurde 2006 in der Innenstadt von Chicago enthüllt. Kapoor, der in Indien geboren wurde, ist Turner-Preisträger und wurde von der Queen 2013 in den Ritterstand erhoben.

Kunst von Tomás Saraceno zum Bauhaus-Jubiläum

Klassik Stiftung Weimar gab Sieger des Wettbewerbs bekannt

"Sundial for Spatial Echoes" heißt die Arbeit des argentinischen Installationskünstlers Tomás Saraceno, die zur Eröffnung des Bauhaus Museums Weimar am 5. April 2019 das Foyer des Gebäudes schmücken wird. Der 45-jährige gewann mit seinen "Wolkenclustern" aus wabenförmigem Spiegelglas den Wettbewerb "Kunst am Bau". Der Jury-Vorsitzende Wulf Herzogenrath sagte, Saraceno stehe damit in einer Tradition, die schon den Bauhaus-Gründer Walter Gropius an Goethe fasziniert habe: der Zusammenhang von Kunst und Wissenschaft. Saraceno studierte in Buenos Aires, Frankfurt am Main (bei Thomas Bayrle) und Venedig (bei Hans Ulrich Obrist und Olafur Eliasson). Wiederkehrendes Motiv in Saracenos meist dreidimensionalen und raumfüllenden Werken sind verknüpfte Raumkapseln. Das neue Museum in Weimar wird anlässlich des 100. Geburtstags der Bauhaus-Bewegung eröffnet.

Millionen von saudischer Stiftung für Pergamonmuseum

Alwaleed Philanthropies vergibt Millionen

In den kommenden zehn Jahren wird das Berliner Pergamonmuseum von Saudi-Arabien unterstützt. Das Museum für Islamische Kunst erhält neun Millionen Euro, um "die kulturelle Verständigung und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu fördern." Das erklärte Stiftungsdirektorin Lamia Bint Majed Saud AlSaud in Berlin. Museumsdirektor Stefan Weber sagte: "Die Alwaleed Stiftung hat sich jenseits der
politisch schwierigen und wechselhaften Lage im Nahen Osten kulturelle und karitative Ziele auf die Fahnen geschrieben - und wird auch in Zukunft diese Arbeit fortsetzen." Die Stiftung wurde von dem saudischen Geschäftsmann al-Walid Ibn Talal in Riad ins Leben gerufen.

Gedenkbuch für Münchner Todesopfer der NS-Rassenpolitik

Erinnerung an über 2000 Menschen und ihr Leid

Nach sieben Jahren Arbeit des Münchner NS-Dokumentationszentrums erinnert ein Fachbuch namentlich an die psychisch Kranken und behinderten Menschen, die Opfer der NS-Rassenpolitik wurden. "Nach einer langen Zeit des Verschweigens" werde die Erinnerung an die Ermordeten Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt München, heißt es in der Ankündigung. Mitherausgeber ist der Psychiater Michael von Cranach.

Svante Pääbo erhält Körber-Preis für Europäische Wissenschaft

Pionierleistung Paläogenetik

Svante Pääbo hat "unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert." So begründet die Körber-Stiftung die Auszeichnung an den schwedischen Mediziner und Biologen. Seine Forschung hätte 1984 wesentlich zu der Erkenntnis beigetragen, dass Neandertaler und andere ausgestorbene menschliche Gruppen einen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben", so begründete die Jury ihre Wahl. Die Auszeichnung ist mit 750.000 Euro dotiert und wird Pääbo am 7. September im Hamburger Rathaus überreicht. Die Körber-Stiftung zeichnet seit 1985 jedes Jahr einen wichtigen Durchbruch in den Natur- oder Lebenswissenschaften in Europa aus.

Christine Nöstlinger versteht Kinder nicht mehr

Das sagte die 81-jährige Österreicherin dem Magazin "News"

"Meine eigene Kindheit ist schon eine historische und die meiner eigenen Kinder auch schon bald. Es ist alles sehr, sehr anders geworden, und ich verstehe es nicht mehr." So begründet die vielfach ausgezeichnete Autorin Christine Nöstlinger, keine Kinderbücher mehr schreiben zu wollen. Sie wolle kein "abfälliges Urteil über heutige Kinder ziehe", aber wie solle sich "wissen, was Kinder bewegt, wenn sie einen halben Tag lang über dem Smartphone sitzen und irgendetwas mit zwei Daumen drauf tun?" Damit fälle sie aber kein «abfälliges Urteil über heutige Kinder», sagte Nöstlinger, die in ihrem jahrzehntelange Schaffen auch mit dem 'Nobelpreis für Kinderliteratur' ausgezeichnet wurde.

Höchster Auktionspreis für Franz Marc erzielt

Das teilte Christie's in London mit

Das Bild "Drei Pferde" wurde für gut 15 Millionen Pfund verkauft. Dies sei Rekord für ein Werk des Expressionisten, der den Kreis der "Blauen Reiter" mitbegründete. Das 1912 entstandene Gemälde ersteigert der New Yorker Privatsammler Jeffrey Loria. Der Schätzwert der "Drei Pferde" lag bei etwa 3 Millionen Pfund.

Aus für Viva

Kultstatus in den Neunziger Jahren

Ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung wird der Musiksender zum Jahresende endgültig eingestellt. Das teilte der Träger, das Medienunternehmen Viacom, mit. Viva teilt sich schon seit längerem einen Programmplatz mit der Sendemarke Comedy Central. Deren Sendezeit werde ab Januar 2019 auf 24 Stunden ausgeweitet, sagte ein Viacom-Sprecher. Viva war 1993 als deutscher Gegenentwurf zu MTV mit Pop-Musik auf Sendung gegangen. Zu den jungen Moderatoren gehörten in den 90er Jahren unter anderem Heike Makatsch und Stefan Raab. 2004 übernahm Viacom den Sender.

Neue Metro-Stationen in Paris ehren Frauen

Weil die meisten Haltenstellen berühmte Männer würdigen

Der Nahverkehrsverbund in der französischen Hauptstadt hat bekanntgegeben, dass die Chansonsängerin Barbara und die Widerstandskämpferin Lucie Aubrac künftig mit der Metro zu erreichen sind. 30.000 Teilnehmer einer Online-Umfrage hatten sich für die beiden entschieden. Trotzdem stehen sechs berühmten Frauen noch immer an die 300 Männer gegenüber, deren Name eine Haltstelle des Pariser Netzes schmückt. 2021 sollen die Stationen Bagneux-Lucie Aubrac und Barbara in den südlichen Vororten Bagneux und Montrouge in Betrieb gehen. Im Mai war die Station Europe im Nordwesten von Paris in Europe-Simone Veil umbenannt worden. Zum Weltfrauentag 2017 hatte das Staatssekretariat für Gleichstellung eine alternative Metrokarte veröffentlicht, auf der 100 Stationen die Namen berühmter Frauen tragen.