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Presseschau 13:55
Donnerstag, 14. Dezember 2017 13:55 Uhr

Im Mittelpunkt steht das Aus für die ehemalige Air-Berlin-Tochter Niki. Der österreichische Ferienflieger musste den Betrieb einstellen, nachdem die Lufthansa ihre Übernahmepläne wegen kartellrechtlicher Bedenken der EU-Kommission zurückgezogen hatte.

DER STANDARD aus Wien ist entsetzt:

"Am Ende scheint Niki das Bauernopfer des Lufthansa/Air-Berlin-Deals zu werden. Das ist angesichts der fast 900 betroffenen Jobs ein Desaster. Das Manöver zeigt aber auch, wie katastrophal der gesamte Ablauf der Insolvenz von Air Berlin verlaufen ist. Dabei kann der Ferienflieger wenig für das eigentliche Problem – die Marktkonzentration. Das Grounding von Niki soll monopolartige Strukturen auf deutschen Flughäfen kaschieren. Erstaunlich, welchen Kollateralschaden Berlin in Kauf nimmt."

"Kurz vor den Festtagen ist das ein Schlag für Mitarbeiter und Kunden", konstatiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.

"Unklar bleibt, ob der Rückzug der Lufthansa bei Niki auch das Ende für den Kauf von Air Berlin einleitet. Sollte das bislang geplante Rettungskonzept scheitern, wären auch die Steuerzahler dran. Auf die Rückzahlung des wahltaktisch motivierten, staatlich verbürgten Hilfskredits von 150 Millionen Euro warten sie dann vergeblich."

Verständnis für die Einwände aus Brüssel hat die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

"Seit dem Aus für den größten Konkurrenten Air Berlin ist Lufthansa auf vielen Strecken alleine unterwegs. Wenn die Fluggesellschaft aus Frankfurt auf einzelnen Strecken ein Monopol hat und keinen Wettbewerb fürchten muss, dann kann sie die Preise diktieren. Vor diesem Hintergrund ist es nur richtig, dass EU-Wettbewerbskommissarin Vestager den Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki nicht einfach durchwinken wollte und Grenzen gesetzt hat. Denn zu viel Macht darf der deutsche Marktführer nicht bekommen."

Auch die Bahn hat noch immer Probleme auf ihrer neuen ICE-Paradestrecke Berlin-München. "Überraschend ist das alles nicht", findet das HANDELSBLATT,

"Weder die Tatsache, dass der 'größte Fahrplanwechsel' seit Umwandlung in eine Aktiengesellschaft vor gut zwei Jahrzehnten mehr oder weniger in die Hose gegangen ist. Noch die Reaktion darauf. Die Bahn hat wegen Missmanagement schon mehrfach Topmanager ausgetauscht. Etwa weil die Buskonkurrenz unterschätzt wurde oder die Güterbahn nicht aus den Defiziten kommt. Die Probleme aber blieben häufig – ein untrüglicher Hinweis darauf, dass es an den Führungsstrukturen hapert. Will die Bahn jemals in ihre dritte Umbauphase kommen, muss sie Verantwortliche klarer identifizieren und auch zur Verantwortung ziehen."